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Rund um die Pfeifen - von und mit Peter Lehmann

#1 von PL ( gelöscht ) , 18.03.2010 09:14

Rund um die Pfeifen - ein Thema- zu dem ich vor Jahren schon ähnliches schrieb. Aber ich denke, die Zeit ist gekommen, dass eine neue Pfeifenrauchergeneration auf der Matte steht, die Suche nach den damals sehr beliebten Thema (mehrere tausend Hits in kurzer Zeit)zeitraubend und mühsam ist und neues Wissen dazugekommen ist.

Ich versuche eine gewisse Chronologie zu finden und beginne heute mit den Pfeifen aus Stein.

Die Quellen der Beiträge sind, wenn nicht anders bezeichnet, die gängigen freien Wissensportale im Web, die eigene Sammlung, Erkenntnisse aus Museumsbesuchen und angelesenes und diskutiertes Wissen. Die Bilder sind Fotos der Pfeifen der reichhaltigen eigener Sammlung oder aus genehmigten Bildern aus Museumsbesuchen, von Webseiten-Eigentümern genehmigte Zugriffe oder aus freien Bildern (wie zb aus Wikipedia)


Specksteinpfeifen

Speckstein ist ein Magnesiumsilikat, das quasi weltweit auf allen Kontinenten gefunden wird. In Deutschland wird zumeist der grüne Speckstein abgebaut. Aus Brasilien kommt der grün/schwarze Speckstein.

Geschichte
Speckstein wird seit Jahrtausenden von vielen Völkern als Rohmaterial für Schnitzereien verwendet. Bei den Indianern Nordamerikas zum Beispiel wurde ein rötlicher Speckstein als Ausgangsmaterial für Friedenspfeifen verwendet. Dieser rötliche "Pipestone" ist heute nicht mehr erhältlich.
Speckstein wird auch als Heilstein verwendet wurde. so als Puder mit hautpflegenden Eigenschaften. Noch heute bestehen viele Kosmetika in ihrer Grundsubstanz aus Specksteinpulver.
Speckstein wird heutzutage in der E-Technik wegen seiner isolierenden Eigenschaft verwendet. Um dem Speckstein die benötigte Härte für den Einsatz als Isolator zu geben, wird er im weichen Zustand geformt und anschließend bei hohen Temperaturen gebrannt.
Als Ofenverkleidung wird Speckstein vor allem wegen seiner wärmespeichernden Eigenschaft und der Ästhetik geschätzt.
Als Handschmeichler verfügt Speckstein über schweißauf
saugende Eigenschaften.
Speckstein wird auch als Therapiestein eingesetzt. Er soll auch
eine heilende Wirkung auf die Psyche haben.

Eigenschaften
Chemische Zusammensetzung: Mg3(OH)2SiO10 (Magnesium-Silizium-Verbindung).
Mossche Härte: 1 (ist mit dem Daumennagel ritzbar)

Specksteine sind Naturprodukte, die in Form und Farbe voneinander abweichen. Im Handel sind Specksteine in den
Farben grau, grün, rosa, weiß und schwarz erhältlich

Speckstein als Pfeifenmaterial
Specksteinpfeifen sind nach dem ersten Gebrauch geschmacksneutral. Wie auch Meerschaumpfeifen brennen Specksteinpfeifen nicht aus und können deshalb permanent
genutzt werden. Inwieweit der Stein wie der Meerschaum ein Regenerationsvermögen hat, ist mir nicht bekannt.
Speckstein ist zerbrechlich. Das Material verträgt wie Meer-
schaum keine heftigen Erschütterungen.
Die Pfeife wird im Allgemeinen als Kalumet oder Purpfeife angeboten. Die Purpfeife



ist völlig aus Stein und ist ähnlich der allen bekannten indianischen Friedenspfeife mit Holzmundstück.

Die Friedenspfeife (Lakota: Chanunpa Wakan) oder Kalumet ist noch heute ein bekanntes und gebräuchliches Symbol für eine Streitschlichtung. Die Friedenspfeife wurde früher "Heilige
Pfeife" genannt und diente mehreren indianischen Ethnien, wie
zum Beispiel den Lakota-Indianern, zum Gebet. Der Legende der Lakota nach wurde sie den Menschen durch die Weiße Büffelkalbfrau (Whope) geschenkt, zusammen mit den Sieben Riten. Die "Heilige Pfeife" wurde auch zu Friedensabschlüssen,
zur "Besiegelung" von Freundschaften und während des Abschlusses von Verhandlungen, Geschäften und Verträgen geraucht. Daher prägten die weißen Einsiedler, die in diesen Zusammenhängen mit dem Ritual in Berührung kamen, den
Begriff Friedenspfeife.



Der Tradition entsprechend symbolisiert die Pfeife den Men-
schen, der auf der Achse der Welt steht. Der Pfeifenkopf, in der Regel aus Catlinit (ein roter Speckstein) geschnitzt, steht für
Mutter Erde, der Pfeifenstiel für das menschliche Ich und den Evolutionsweg des Menschen. Das Pfeifenrohr wird aus dem
Holz der Weißesche hergestellt, die das gesamte Pflanzenreich vertritt. In der Vereinigung dieser Kräfte steigt mit dem Rauch,
der Seele, das Gebet der Menschen auf zum Großen Geist. Die Pfeife wirkt wie eine Nabelschnur, die den Menschen mit dem Universum verbindet
Übrigens haben die ersten Siedler für ihre Pfeifen die Friedenpfeifenform übernommen und die eigenen danach, allerdings zum profanen Tabakrauchen ohne zeremonielle Bedeutung übernommen. Die sahen dann so aus.




In der nächsten Folge kommen die Tonpfeifen an die Reihe

PL
zuletzt bearbeitet 10.05.2010 17:37 | Top

RE: Rund um die Pfeifen

#2 von PL ( gelöscht ) , 19.03.2010 07:25

Tonpfeifen

Tonpfeifen als Forschungsobjekt
Viele Jahre intensiver Forschungen zeigen, dass in der Neuzeitarchäologie die Tonpfeifen eine bedeutende Rolle spielen. Sie verraten mit ihren Verzierungen und Marken viel über ihre Herkunft, die jeweilige politische Lage, über Fälschungen und historische Wirtschaftskriminalität. Die Archäologen sind auf Grund dieser oftmals begleitenden Funde in der Lage Alltags-gegenstand des 17. bis 20. Jahrhunderts auf wenige Jahre genau datieren. Damit ist die Tonpfeife für den Neuzeitarchäologen zu einem Leitfossil geworden. Die Tonpfeife hat sich als wichtiger Knotenpunkt zwischen den Fachgebieten Archäologie, Volkskunde, Kultur-, Handwerks- und Drogengeschichte erwiesen.

Die Produktion
Um 1600 entstanden die ersten Werkstätten in London, Bristol, Chester und Hull. Zum Höhepunkt dieser Produktionen um 1730 gab es bereits 113 durch Marken belegte Pfeifenmacher in Eng-land.
Englische Pfeifenmacher gründeten zumeist auch die Werkstätten in anderen europäischen Ländern. 1617 begann die Produktion im holländischen Gauda. Obwohl in Köln, in Sachsen und anderswo eine Vielzahl von Werkstätten entstanden, führend blieb Gauda. 1660 gründete Gauda eine eigene Zunft, deren Mitglieder zu den reichsten Bürgern der Stadt zählten. Es gab zeitweise dort bis zu 500 Pfeifenwerkstätten.
Unter Zar Peter I. wurde der Import und auch die Herstellung von Tonpfeifen erheblich und im eigenen Land planmäßig gefördert (Belegt sind z.B. Dokumente ab 1718)
.
Feine Tonsorten erlaubten einen Holm in einer Länge bis 28 Zoll



Diese Pfeifen waren es auch, die beim berühmten Tabakskollegium am Hofe Friedrich des Ersten von Preussen


und seinem Sohn, den Soldatenkönig geraucht wurden (davon aber später in einem gesonderten Beitrag)



Der Ansatzwinkel des Kopfes an den Holm und die Kopfform änderten sich mit der Mode, so dass man diese Pfeifenfunde auf das Jahrzehnt genau bestimmen kann.
Tonpfeifen waren durch Ihre leichte Herstellbarkeit und die Zerbrechlichkeit stets billige Massenartikel. Vor allen die Zerbrechlichkeit brauchte es mit sich, dass fast zeitgleich mit der Tonpfeifenproduktion in Europa die Suche nach dauerhafteren Materialien begann. (So soll Sir Walter Raleigh 1552 - 1618) bereits eine Holzgesteckpfeife besessen haben) Die Erfindung des Porzellans 1708 durch Böttger brachte auch dieses dem Ton ähnliche Material zum Zuge.
Die Fertigung ist denkbar einfach und ich selbst habe mich bereits an einer historischen Maschine daran versucht. Eine Rolle Ton kommt in eine Doppelform. Dann werden für den Rauchkanal
und den Tabakraum ein Draht bzw. Stempel eingeschoben. Der Rohling wird aus der Form entnommen, verputzt, getrocknet und schrühgebrannt. Der fertige Scherben bekommt keine Glasur und behält damit die wichtige Saugfähigkeit für das Kondensat.
(Bild) Eine historische Werkbank zur Fertigung. Dorne und Stempel werden hier noch ohne Führung eingedrückt.



Hier eine moderne Maschine, wie sie heute noch (z.B. im Westerwald) genutzt wird. Die Pfeifen auf dem nächsten Bild werden noch heute von der Firma Föhr im Westerwald gefertigt



diese paar Zeilen können nur eine Stippvisite in die Welt der Tonpfeifen sein. Wen es interessiert, wird bei z.B. Daft in ausgezeichnet recherchierten Beiträgen fündig.
Noch eine Kleinigkeit zu Thema Tonpfeifen

Emsige Sammler durchstöbern bei Niedrigwasser bei London die Themse nach versunkenen Schätzen.
Da ja in London schon sehr früh Tonpfeifen hergestellt wurden
(16. Jahrhundert) sind auch solche Teile darunter. In meiner Sammlung ist neuerdings auch ein solches sehr frühes Stück
hier ist sie.


Erste Recherchen bzgl. Fertigungstechnologie (Bearbeitungsspuren), Form und Musterfragmenten lassen auf
das 16. Jahrhundert schließen. Die Pfeife ist sehr gut erhalten,
hat sogar noch erkennbare Reliefs (die die Archäologen zur Zeitbestimmung nutzen. Die Pfeife ist ca. 12 cm lang. Darüber hinaus habe ich auch noch einige Pfeifenfragmente aus
der Themse.

hier noch eine neue holländische Pfeife (Touristenpfeifen)


Zur Hochzeitspfefe aus Ton, den neuen westerwälder Pfeifenkreationen der Firma Föhr und den Wiener Kaffeehauspfeifen schreibe ich im 2. Teil zu Tonpfeifen

PL

RE: Rund um die Pfeifen

#3 von PL ( gelöscht ) , 20.03.2010 15:51

Tonpfeifen 2

Die Wiener Kaffeehauspfeife

Vor nicht allzu langer Zeit holte ich mir von Joachim Acker die Erlaubnis, seine köstlichen Geschichten bei DAFT auch zu meinen Pfeifenpräsentationen erzählen zu dürfen. Nun, da es mir erlaubt wurde, halte ich mich bei der Erklärung Wiener Kaffeehauspfeifen nicht lange mit der Vorrede auf und lasse der kleinen Geschichte ihren Lauf:

Die Wiener Kaffeehauspfeife
In der Hütte des Uralten war ein Fenster eingeworfen worden und ich machte mich auf es zu reparieren. Ich hatte den kleinen Müllers Peter sehr stark in Verdacht diese Untat begangen zu haben, ihm wäre so eine Schandtat zuzutrauen, diesem Lümmel.
Nun gut, Schimpfen nützt nichts, als machte ich mich ans Werk und richtete das Fenster, schnitt mir in den Finger, wie konnte es auch anders sein, suchte vergeblich nach Verbandszeug und wickelte schließlich mein Taschentuch um den Finger, unanständige Wörter sagend.
Da es draußen kalt und regnerisch war hatte ich im Kamin ein Feuer angezündet und setzte mich nun nach getaner Arbeit davor, erschöpft und müde. Ich stopfte meine Pfeife, zündete sie an und bald erfüllte köstlicher Wohlgeruch die Hütte.
Die Türe knarrte und ging auf, ich schaute wer kommt. Es war aber nur der Herbstwind der sie aufgedrückt hat, ein Schwall frischer Luft ließ mich trotz des Feuers frösteln.
Nachdem ich die Türe wieder verschlossen hatte wollte ich mich wieder vor den Kamin setzen, da fiel mein Blick auf den Kaminbalken und auf den darauf liegenden Pfeifenkopf.
Und dann war es mir als träte der Uralte wieder neben mich und würde mit mir sprechen: "Das ist der Kopf einer Wiener Kaffeehauspfeife" hörte ich ihn sagen.
Ich nahm ihn zur Hand und betrachtete ihn. Er war offensichtlich aus Ton gebrannt, hoch und schmal, die Wand des Kopfes sechseckig und mit Noppen verziert, oben dort wo der Tabak eingebracht wird rund.
An der Seite, dort wo das Gesteck mit dem Mundstück hineingehört, trug sie eine Inschrift: Meidling stand da, und gegenüber die Inschrift: S.S.
"Ja, schau sie dir nur genau an", sagte der Uralte zu mir, "ich bekam sie einst als Gegengabe von einem Unbekannten dem ich einmal ein paar Tabakproben schenkte. Solche Pfeifen gab's früher in den Kaffeehäusern Wiens für die Gäste.
Jeder der wollte konnte sich gegen ein kleines Entgelt oder auch gratis, wenn's ein bekannter Mensch war, solch eine Pfeife für die Dauer einer Pfeifenfüllung mieten. Der Gast bekam ein neues Mundstück, meistens waren sie aus Gänsefederkiel gefertigt und dann konnte er seinem Rauchvergnügen frönen. War sie ausgeraucht wurde die Pfeife auseinandergenommen, vom Diener des Kaffeehauses gereinigt und ein anderer Gast konnte sich daran erlaben. (siehe a. Wiener Kaffehauspfeife)
Einen ähnlichen Brauch kennen wir auch aus anderen großen Städten, übrigens auch aus England. Dort wurden in den sogenannten Tabagien Tonpfeifen gegen ein geringes Entgelt ausgeliehen und konnten dann von denen die keine eigene Pfeife besaßen, oder sie zu Hause vergessen hatten, geraucht werden.
Von besonderer Berühmtheit war in Wien das Kaffee Neuner in der Seilergasse. Dort verkehrten gerne und oft berühmte Zeitgenossen: Lenau und Grillparzer zum Beispiel, sie rauchten dort in aller Ruhe ihre ausgeliehenen Pfeifen".
Verwirrt schaute ich mich um, so klar und deutlich hörte ich die Stimme des Uralten, aber ich war allein in der Hütte, Mutterseelenallein.
Ich nahm nochmals den Pfeifenkopf zur Hand, betrachtete ihn: wer mag wohl daraus geraucht haben, dachte ich bei mir. Lenau gar, und dann griff er zum Kiel und schrieb das Gedicht von den Drei Zigeunern, oder Grillparzer während er Das goldene Vlies schrieb? Oder waren es nur Unbekannte und unbedeutende Menschen.
Aber halt, unbekannt mag ein Mensch sein aber niemals Unbedeutend.
Viele Gedanken gingen mir an jenem Tag noch durch den Kopf, dort drüben in der Hütte des Uralten, vor dem knisternden und loderten Kaminfeuer.

Nun ein paar Bilder dieser schönen Stücke, die bei mir im ständigen Gebrauch sind und deren begrenzte Wiederherstellung auch in meinem Programm ist. Das Holz ist Weichsel und die Köpfe wurden in vielen Pfeifenbäckereien (oftmals im Wester-wald) hergestellt. Einige prägten ihr Signum drauf, manchmal aber auch das des Kaffeehauses, welches diese Köpfe verwandte.
So, mit jeweils 4 bis 6 Köpfen wurden die Pfeifen vertrieben:



und so sahen (sehen sie, wenn diese auch in unserer Werkstatt neu gefertigt werden) sie dann aus:



im nächsten Beitrag dann etwas über die Porzellanpfeifen

PL
zuletzt bearbeitet 20.03.2010 15:52 | Top

RE: Rund um die Pfeifen

#4 von PL ( gelöscht ) , 25.03.2010 08:43

Porzellanpfeifen


Beliebte Sammlerobjekte, die später oft zum Staubfänger
mutieren, sind die Porzellanpfeifen.

Bei einer öffentlichen Demonstration, um seinen Alchimistenlehrmeister zu überzeugen, wandelte Böttger 1702 silberne Münzen in goldene um. Die Kunde von dieser angeblichen alchemistischen Meistertat verbreitet sich schnell, und verschiedene Monarchen beginnen
sich für den Mann hinter der Goldmacherei zu interessieren. Da Böttger in Berlin lebte und arbeitete, setzt Friedrich I. nach der Ablehnung eines friedlichen Anwerbungsangebotes ein Kopfgeld auf ihn aus, dem sich Böttger nur durch Flucht nach Wittenberg entziehen kann, wo er bei seinem Onkel, der an der dortigen Universität lehrt, Unterschlupf zu finden hofft. Auch August der Starke erfährt von dem jungen Apothekerlehrling, und zwischen den beiden Monarchen entsteht ein Streit, den August der Starke
für sich entscheiden kann. Er lässt Böttger nach Dresden verbringen, und seine Experimente wiederholen.

Daraufhin bekam Böttger in Dresden ein Laboratorium zur Her-stellung von Gold in größerem Umfang zur Verfügung gestellt. 1704 wurden zusätzlich Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Gottfried Pabst von Ohain herangezogen, um die Goldmacherei voranzubringen. Tschirnhaus, der zu diesem Zeitpunkt schon seit mehreren Jahren mit Experimenten zur Porzellanherstellung beschäftigt ist, gelingt es, Böttger zur Mitarbeit an diesem Projekt zu überreden. 1705, nachdem eine Ausbreitung der Kriegsgeschehen befürchtet wird, erfolgt die Verlegung nach Meißen.
Wie bekannt, hatte Böttcher zwar kein Gold erzeugen können,
gilt aber als Erfinder des europäischen Porzellans aus dem sächsischen Kaolin, welches in unmittelbarer und weiteren Umgebung meines Heimatortes Colditz abgebaut wurde und wird.
Nach der Erfindung dieses Hartporzellans wurden bald Versuche zur Pfeifenherstellung begonnen. Ab 1750 war es soweit. Die Thüringer Manufakturen arbeiteten mit vollen Auftragsbüchern. Anfangs dominierte die weiße Glasur, später kam das berühmte Streublümchenmuster dazu.
Im 19. Jahrhundert bevorzugte man farbige Motive der Klein-meister mit Szenen und Porträts. Die Biedermeierzeit war die Hochzeit der Porzellanpfeifen. Erinnerungs- und Freundschafts-pfeifen, nahezu jeder Berufsstand hatte sein Motiv.
Vor wenigen Tagen hatte ich ein sehr schönes Stück (Zunftpfeife der Schreiner) auf der Werkbank zur Reparatur
Der Nachteil dieser Pfeifen ist, dass das Kondensat nicht aufgenommen wird und die Pfeifen schnell versotten, so benutzte man sehr lange Pfeifenrohre. Eigentlich waren und sind das aus o.g. Gründen keine guten Rauchinstrumente - aber hübsch sind sie

Hier etwas völlig unspektaculäres aus meiner Sammlung

Das Rohr ist hier aus Weichselholz. Die einzelnen Teile werden durch Korkringe gegenseitig abgedichtet.
Diese Pfeifenform war lange Zeit bestimmend für die Entwick-
lung der Holzpfeife und auch Meerschaumpfeife(siehe unter Holzpfeifen und Meerschaumpfeifen)
Diese Pfeifen werden auch jederzeit in den einschlägigen Internetauktionshäusern angeboten


Zu den Meerschaumpfeifen ist beim nächsten Mal etwas zu sagen
PL

PL
zuletzt bearbeitet 12.04.2010 23:42 | Top

RE: Rund um die Pfeifen

#5 von PL ( gelöscht ) , 26.03.2010 21:14

Meerschaum & Meerschaumpfeifen Teil 1

Beginnen möchte ich mit den Meerschaumpfeifen aus Ruhla.
Ruhla war im deutschsprachigen Raum eines der Zentren der Meerschaumpfeifenherstellung.
Pfeifenschneider, Bernsteindreher, Metallbearbeiter siedelten sich rund um die kleine Stadt
an, um diesem Material hier die Form zu verleihen
Ein Stück aus meinem Fundus (ca. 20 cm lang)



Meerschaum oder auch Sepiolith ist ein eher seltenes Tonmineral aus der Gruppe der Silikate,
chemisch gesehen hydratisiertes Magnesiumsilikat (Mg4Si6O15(OH)2•6 H2O). Meerschaum ist weiß,
gelblich oder grau gefärbt und besitzt einen matten Glanz.

Meerschaum ist wohl einer der bekanntesten Rohstoffe für Pfei-
fen neben dem Bruyère. Meerschaum hat nichts mit Gischt zu tun. Der Name des weißlichen,
manchmal auch gelblich bis gräulich getönten Minerals ist weder auf das Meer, noch auf den
Schaum zurückzuführen. Die Bezeichnung Meerschaum leitet sich aus der levantinischen
Handelsbezeichnung Mertscavon ab. Die österreichischen Händler, die seinerzeit den Meerschaummarkt kontrollierten, verdeutschten das unaussprechliche Wort und Meerschaum wurde unverändert
in alle europäischen Sprachen aufgenommen.

Die erdgeschichtliche Herkunft des Meerschaums ist nicht restlos geklärt. Es handelt sich um ein Magnesiumsilikat, zusammengesetzt aus 63,3 % Kieselerde, 27,4 % Bittererde und
9,3 % Wasser.

Ein deutscher Mineraloge glaubte Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisen zu können, dass
Meerschaum aus Ablagerungen fossiler Muscheln und Fischknorpeln entstanden sei und gab
ihm den Namen Sepiolith. Der Name Sepiolith leitet sich vom griechischen Wort sepion (= Tintenfisch)
ab, da das Mineral dem Schulp (Rücken"knochen") desselbigen ähnelt. Dessen Struktur gleicht
aber auch der des Meerschaums.

Türkische Mineralogen hingegen vertreten folgende Theorie: der Fluss Sakarija hat mehrmals
sein Bett gewechselt, und unweit des heutigen Dorfes Killtischik hemmte magnesiumhaltiges
Gestein seinen Lauf. Dieses Hindernis wurde im Laufe der Jahrtausende abgetragen und verband
sich im Flussbett mit Kalkschlamm.
Diese Sinkstoffe lagerten sich an Stellen mit träger Strömung allmählich ab. Spätere
Erdrutsche überlagerten diesen Mineralschlamm und härteten ihn in Jahrmillionen, wodurch
der Meerschaum seine heutige Konsistenz erhielt. In Anatolien, nahe der Stadt Eskiþehir
unweit von Ankara, wird der Meerschaum in Knollenform bergmännisch abgebaut.

Vor dem Trocknen ist die Meerschaumknolle wachsweich und
fühlt sich fettig an. Durch die Berührung mit Wasser schäumt sie wie Seife und wurde deshalb
schon von den Griechen für Reinigungs-zwecke verwendet. Zur Pfeifenherstellung eignet sich
diese Knolle ausgezeichnet, da sie leicht zu bearbeiten und wegen der porösen Struktur sehr
saugfähig ist.
Und das haben z.B.die Ruhlaer Künstler dann aus dem Mineral gemacht:
Der Ratsherr (aus meiner Sammlung)


Meerschaum zu bearbeiten, ist prinzipiell eigentlich nicht so schwierig. Um es einmal lax
auszudrücken, er hat zwei völlig verschiedene Aggregatzustände. Einmal im trockenen Zustand.
Hier ist er mit dem Gips vergleichbar und lässt sich schleifen, feilen, drehen. Und dann im
nassen Zustand, hier ist er bearbeitbar wie Seife. So lassen sich auch die herrlichen
Schnitzarbeiten der Meister der Meerschaumpfeifen erklären.

Warum das so ist, möge ein kurzer Exkurs in Meyers Konversationslexikon unter Seifenstein
und in die Literatur (Otto Pollner/ Pfeiferauchen-leicht gemacht und
Alexis Liebert & Alain Maya - die Welt der Pfeife) verdeutlichen:

Saponit (Seifenstein), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Talkgruppe), dessen
spezifische Selbständigkeit zweifelhaft ist. Man hat unter diesem Namen verschiedene
Magnesium-Aluminiumsilikate (Seifenstein, Kerolith, Piotin) zusammenge-fasst, welche
in dichten, fettig anzufühlenden, dem Speckstein
sehr ähnlichen Massen auftreten und als amorphe Zersetzungsprodukte andrer Silikate sich
kaum einer einheitlichen Formel unterordnen lassen. Solche oder verwandte Substanzen finden
sich bei Frankenstein in Schlesien, Svärdsjö in Dalarne
und in Cornwall. Der Seifenstein der letzteren Lokalität wird in
der Porzellanfabrikation benutzt. Andre sogen. Seifensteine sind
als aluminiumfreie Körper dem Speckstein (s. d.) anzureihen

Meerschaum, Mineral aus der Ordnung der Silikate(Talkgruppe), findet sich derb und in Knollen,
auch in Pseudomorphosen nach Calcit, ist weiß oder gräulich weiß, matt, undurchsichtig, mit
flachmuscheligem und feinerdigem Bruch, fühlt sich etwas fettig an, haftet stark an der Zunge,
spez. Gew. 0,99-1,28, Härte 2-2,5, besteht aus wasserhaltiger kieselsaurer Magnesia Mg<sub>2</sub>Si<sub>3</sub>O<sub>8</sub> + 4H<sub>2</sub>O, enthält stets auch etwas Kohlensäure
und bis gegen 14 Proz. hygroskopisches Wasser. Der M. findet sich lose oder eingesprengt (besonders
in Kalk oder Serpentin), in größter Menge und von schönster Beschaffenheit bei Kiltschik und Eski
Schehr in Anatolien, von wo er gegenwärtig fast ausschließlich
in den Handel kommt, außerdem unweit Thiwa in Livadien, zu Valecas bei Madrid, bei Pinheiro in
Portugal, Hrubschitz und Neudorf in Mähren, im Lyubicer Gebirge in Bosnien, in der Krim etc. Der
in Anatolien gewonnene M. bildet einzelne Knollen oder nierenförmige Stücke, die, frisch gegraben,
weich wie Wachs
sind, an der Luft aber unter Bildung zahlreicher Risse schnell erhärten und zur Vermeidung dieser
letztern sehr vorsichtig ge-trocknet werden müssen. Man befreit ihn dann von der bräunlich-gelben
Rinde und allen Verunreinigungen und bringt ihn nach Brussa, wo er sortiert und besonders nach Wien,
Leipzig, Paris
und Nordamerika versandt wurde. Im spezifischen Gewicht, in
der Weichheit und Gleichmäßigkeit der Masse und in der Farbe zeigt der M. große Verschiedenheiten,
und namentlich enthält er
oft Einschlüsse von opalartiger Masse, welche die Verarbeitung sehr erschweren. Man benutzt ihn
fast ausschließlich zu Pfeifenköpfen und Zigarrenspitzen, während die Römer wahrscheinlich kostbare
Gefäße daraus geschnitten haben.

Daraus folgt, Meerschaum ist seit mindestens 2000 Jahren im Gebrauch.

In Europa entstanden die ersten Fabriken zur Verarbeitung von M. im letzten Jahrzehnt des vorigen
Jahrhunderts zu Lemgo und etwa um dieselbe Zeit in Ruhla, wo schon 1800 in 27 Fabriken 150 Personen
beschäftigt waren. Hier wurden auch zuerst die Abfälle
zu einer schneidbaren Masse verarbeitet und so der künstliche M. (Masse) gewonnen, welcher auch
gegenwärtig in großer Menge verarbeitet wird. Auch Nürnberg und Paris liefern Meerschaumwaren;
Hauptsitz der Industrie ist aber Wien, wo jährlich etwa 100,000 Meerschaumpfeifen gefertigt wurden

Teil 2 dann später

PL
zuletzt bearbeitet 31.03.2010 09:03 | Top

RE: Rund um die Pfeifen

#6 von PL ( gelöscht ) , 10.04.2010 12:01

Da alles noch sehr frisch in der Erinnerung ist, werde ich die Reihenfolge kurz unterbrechen und einen Beitrag zur Oum Paul. der eigentlich erst später bei den Holzpfeifen eingeordnet ist, einschieben. Auf meiner Osterreise in den Norden Schottlands habe ich einiges zur Pfeife, die dem Buren Paul Krüger

http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Kruger

zugeschrieben wird, in einem Fort - Museum gefunden. Es geht um diese Pfeifen schottischer Soldaten zwischen 1898 und 1902.


Sobald die Bilder und Notizen sortiert sind, folgt der Bericht. Wen das Thema interessiert, mag ja immer mal nachschauen, ob der Bericht gepostet ist.

P. Lehmann

PL

RE: Rund um die Pfeifen

#7 von PL ( gelöscht ) , 11.04.2010 18:26

Die Oum Paul
wie schon gesagt, wer zu Stephanus Johannes Paulus Kruger (Krüger gesprochen) etwas mehr wissen will,
lese aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Kruger

Nun zur der ebenfalls im Wiki erwähnten Pfeife

Die Oom Paul - Pfeife
Quellen: Wikipedia u. Le Livre de la Pipe (academie Internationale de la Pipe/ Paris)
Zwischen 1899 und 1902 dauerte der Burenkrieg zwischen den niederländischen Siedlern und der britischen Armee. Die kämpfenden englischen Truppen und ihre Verbündeten wurden aus dem Mutterland mit den zeitgenössischen Pfeifen a la Oom Paul beliefert.
HUNGARIAN/ OOM PAUL

Ihren Namen verdankt diese Pfeife dem südafrikanischen Politiker Stephanus Johannes Paulus Kruger, der sich zum einen während der Burenkriege, zum anderen als Gründer des nach ihm benannten National-parks einen Namen gemacht hat. Bekannt ist er auch unter den Namen »Oom Paul« und »Ohm Krüger«. Eigentlich ist die ›Oom Paul‹ eine maximal gebogene Spielart der ›Billiard‹. Die Pfeife hat einen großen und voluminösen Kopf. Ungeachtet ihres imposanten Äußeren ist sie sehr bequem. Ihre Form ist genauestens berechnet, und daher kann man sie gut zwischen den Zähnen halten. Eine empfehlenswerte Wahl für Raucher, die gern die Hände frei haben.

Pfeifen mit konischen Köpfen bestechen nicht nur durch ihre angenehme Form, sondern auch durch das besondere »Rauchgefühl«, das sie vermitteln. Wenn der Brandraum die konische Kopfform wiederholt,
entsteht ein Effekt ähnlich dem, der sich beim Rauchen einer Cigarre eintstellt, deren Format den
›Figurados‹ zuzuordnen ist. Bei diesen Pfeifen verändern sich Geschmack und Aroma während des Rauchverlaufs.

Die Buren bezeichneten ihren beliebten Präsidenten Stepanus Johannes Paulus Krüger


Foto: Wikipedia
Paul Kruger

liebevoll mit Onkel Paul. Paulus Krüger rauchte genau diese Pfeife leidenschaftlich. Nach ihm wurde auch der Krüger- Nationalpark Südafrikas benannt. - Diese Pfeife wurde noch lange Zeit gefertigt. Z.B. hatte HEIBE diese Form im Programm. Auch heute wird diese Form ab und zu noch gefertigt (zB in unserer Manufaktur )

Auch die Soldaten der gegnerischen britischen Truppen fanden Gefallen an diesen praktischen Rauchinstrumenten und schnitzten in diese Köpfe oft die Regimentsignien.


Im schottischen Fort George http://de.wikipedia.org/wiki/Fort_George_(Schottland) fand ich eine ganze Sammlung dieser Pfeifen, die die schottischen Soldaten um 1900 bei ihrem Einsatz in Südafrika rauchten.
Nachfolgende Bilder zeigen eine kleine Auswahl. Daneben waren noch Soldatenpfeifen der schott. Hochländer aus anderen Zeitepochen zu sehen




Eine Pfeife der Cameron Hihgländer von 1860


Diese hier von 1880


und das Geschenk von russ. Offizieren an einen Schottischen Befehlshaber um 1850


Im ersten Weltkrieg bekamen die schottischen Soldaten als Zuteilung diese Pfeifen, die auch heute noch vielen bekannt sind und von deren Art ich selbst eine ganze Sammlung besitze


PL

RE: Rund um die Pfeifen

#8 von PL ( gelöscht ) , 30.04.2010 22:22

Meerschaumpfeifen Teil 2

Die Meerschaumvorkommen sind endlich, dass war schnell bekannt geworden und die Abfallrate enorm. Was also mit den Resten tun?
Zur Darstellung des künstlichen Meerschaums werden die Abfälle sehr sorgfältig gewaschen, zerstampft oder gemahlen, mit Wasser angerührt und durch wiederholtes Sieben des Schlammes und Vermahlen der Rückstände in einen höchst zarten Schlamm verwandelt. Man mischt diesen dann mit Kaolin oder besser mit kieselsaurer Thonerde (aus Alaun und Wasserglas erhalten), kocht die Mischling und füllt sie in Kistchen mit Leinwandböden, in welchen sie das Wasser verliert und so viel Konsistenz gewinnt, dass sie bald in die Trockenkammern gebracht werden kann.
Einen andern künstlichen M. erhält man durch Fällen der gemischten Lösungen von Alaun und Bittersalz mit Wasserglas
und Natronlauge oder durch Imprägnieren von kohlensaurer Magnesia mit Wasserglas. Die besten Imitationen sind dem natürlichen M. ungemein ähnlich, und nur der Kenner vermag sie von diesem zu unterscheiden; an Dauerhaftigkeit und Anrauchfähigkeit stehen sie ihm aber weit nach.

Wie erhält nun der Meerschaum aber seine Gebrauchsfähig-keit und Abriebsresistenz?
Beide (Blockmeerschaum und künstl. Meerschaum) werden im feuchten Zustand verarbeitet, dann aber getrocknet, in Walrat
oder geschmolzenen Talg gelegt, bis sie an den Rändern durchscheinend geworden sind, abgeschliffen, poliert, getrocknet und in geschmolzenes Wachs gebracht. Die Türken nehmen vorzugsweise Stearin, da dann die Fehler durch die weiße Stearinfarbe verdeckt sind. Hochwertige Pfeifen werden mit
einem durchsichtigen Bienenwachs behandelt.
Durch diese Behandlung wird der M. fester, dauerhafter, politur-fähiger, und vor allem raucht er sich dann gleichmäßiger an.
Die sogen. Ölköpfe oder Ruhlaer Köpfe, welche beim Rauchen
eine marmorartige, bunte Farbe annehmen, werden aus unreinem, wolkigem, geädertem M. hergestellt, indem man sie nach dem Eintauchen in Talg und dem Polieren mit dünnflüssigem Leinölfirnis tränkt, bei 50° trocknet, wieder mit Firnis behandelt und von neuem trocknet; bisweilen gibt man ihnen auch gleich
die braune Farbe, indem man sie in einer eisernen Bratröhre genügend stark erhitzt. Schwarz gefärbte Meerschaumköpfe sind gegenwärtig nicht mehr beliebt.

Und abschließend zur Verfärbung:
(Ich gehe hier ausschließlich auf die walratgetränkten Pfeifen ein) Das Buch: Die Welt der Pfeife gibt hier nachvollziehbaren Aufschluss.
Walrat ergänzt sich mit dem Meerschaum hervorragend. Er macht das Material zum selbstreinigenden Stoff. Fehlt er, so ist der Meerschaum ähnlich dem Ton schnell mit Teerprodukten gesät-
tigt und bald unbrauchbar. Walrat erwärmt sich zusammen mit
der Pfeife, absorbiert die Teerstoffe und transportiert sie nach außen. Beim Abkühlen hält die wächserne Außenschicht die Teer-stoffe zurück und das erstarrende Walrat zieht sich zusammen.
Auf diese Weise halten sich die Teerstoffe an der Außenseite und ergeben die schöne sattbraune Farbe bei den hochwertigen Pfei-
fen. Überprüfen läßt sich das, indem man die Oberfläche anschabt. Nach einigen zehntel Millimetern kommt die weiße Farbe zum Vorschein. Zumindest beschreibt der Meister der Meerschaumfabrikation Phillip Bargiel, der seine Werkstatt nahe Paris betreibt (betrieb?) das Wunder der Farbgebung und der Selbstreinigung vom Meerschaum.
Andere heute gebräuchliche Stoffe sollen ähnliche Ergebnisse zeigen, doch in der Wirksamkeit scheint Watrat unübertroffen.
Da mir einige alte Pfeifen vorliegen, konnte ich den Versuch mit dem Schaben selbst überprüfen und - es ist so. Auch sind mir in Leipzig einige Pfeifenfreunde bekannt, die wunderschöne wert-volle Meerschaumpfeifen in satten brauen Tönen rauchen. Auch
die Beschreibungen zu den Ruhlaer Köpfen kann ich anhand eigener Bestände bestätigen. Kunstmeerschaum wirkt in der Färbung inhomogen und ist nicht vergleichbar mit hochwertigem Blockmeerschaum. Vor allem die Ausbesserungsstellen (kleine Löcher werden bei türkischen Pfeifen mit Meerschaumstaub ausgebessert und mit Stearin versiegelt) ergeben unschöne Kontraste in der Färbung

(Quellen s.o. Teil 1)

später dann Teil 3

PL

RE: Rund um die Pfeifen

#9 von PL ( gelöscht ) , 10.05.2010 08:49

Porzellanpfeifen Teil 2

Die Tradition der Zunftpfeifen lebt wieder auf

Junge Handwerker lernen wieder auf ihrer Wanderung die Welt kennen und habn natürlich auch einen festen Anlaufpunkt in der Heimat. Für die ca 600 Rolandsbrüder ist der in Taucha bei Leipzig

(Zitat LVZ v. 10.5 2010) Wenn sich Männer mit schwarzer Zunfthose, -weste und -jacke Richtung Taucha-Cradefeld aufmachen, steht wieder einmal eine Versammlung oder Zeremonie der Rolandsbrüder, der Zunft reisender Handwerker an. So auch am Sonnabend, als die ehemalige Kneipe "Zur Linde" von den Zimmerern, Schreinern, Dachdeckern, Holzbildhauern, Maurern, Steinmetzen und Betonbauern aufgesucht wurde. "Heute erhalten vier Rolandsbrüder eine Zunftpfeife", erzählt Werner Kirscht, der zehn Jahre lang bis 2003 Zentralleiter des Rolandsschachtes mit rund 600 angeschlossenen Brüdern war.
"Natürlich ist das eine Ehre. Nach meiner vierjährigen Erwanderung habe ich als Einheimischer aktiv regelmäßig an den Zunftversammlungen teilgenommen und nach mindestens drei Jahren bekommt man diese Pfeife", erklärt Nico Beschnidt, den es schon nach Amerika und Neuseeland während seiner "Tippelei" (Wanderung) gezogen hat. Die Pfeife ........ trägt den Namen des Rolandsbruders sowie die Namen von maximal 20 Freunden aus dem Rolandsschacht. "Das sind die Brüder, die einen bei der Wanderung begleitet haben. Eine schöne Erinnerung", so Werner Kirscht. ...........................
Mit einem kräftigen Zug hinter verschlossenen Türen werden die vier Pfeifen dann in Cradefeld eingeraucht, jeder der anwesenden Rolandsbrüder darf ziehen.

PL
zuletzt bearbeitet 10.05.2010 08:54 | Top

RE: Rund um die Pfeifen

#10 von rolandsbruderwk ( gelöscht ) , 21.05.2010 16:24

Hallo!
Wir sind erfreut, uns auf der Seite der Pfeifenfreunde zu sehen, aber das Bild ist unmöglich.
Ich habe deshalb einige Bilder von uns zur Veröffentlichung per Mail freigegeben.
Mit handwerlichem Gruß, W. Kirscht einh. Rolandsbruder


Ergänzung von Arno:

Hier zunächst mal für Interessierte die Kontaktdaten:

---------------------------------------------------------------



Weitere Informationen über den Rolandschacht



erhalten sie beim einh. Rolandsbruder W. Kirscht



und per Email: rolandsbruderwk@t-online.de



oder die Website: http://www.rolandsbruderwk.de



---------------------------------------------------------------

Angefügte Bilder:
Stammseidel+Pfeifen.JPG   X_4_Pfeifenbrüder_2010.JPG   X_Pfeifenfest_10.JPG   Zunftpfeife.jpg  
rolandsbruderwk
zuletzt bearbeitet 21.05.2010 16:46 | Top

RE: Rund um die Pfeifen

#11 von PL ( gelöscht ) , 21.05.2010 18:09

Danke, das ist sehr erfreulich - aus der Zeitung (LVZ) war kein besseres Bild rauszukopieren. Wie kann man (so für Sammlerzwecke und aus Wehmut darüber, selbst vor 45 Jahren im Osten keine Tippelbruder sein zu dürfen) eine solche Zunftpfeife erwerben?Oder kann man sich die nur erlaufen?

Das einzige, was ich aus der Jetztzeit an Pfeifen der Zünfte und ähnlicher Organisationen erweben konnte, ist die der Bremer Schaffer (aber etwas ganz besonderes)


Peter Lehmann

PL
zuletzt bearbeitet 21.05.2010 18:19 | Top

RE: Rund um die Pfeifen

#12 von rolandsbruderwk ( gelöscht ) , 21.05.2010 18:38

Laufen allein genügt nicht. Eine Zunftpfeife erhält ein Rolandsbruder erst, wenn er mind. 3 Jahre u. 1 Tag gereist ist um sich weiterzubilden. Danach sich als Einheimischer einige Jahre an Zunftversammlungen der Gesellschaft beteiligt hat. Somit muss man also ein ehemaliger Wandergeselle sein, um in deren Besitz zu gelangen, d. h. man muss sie sich verdienen!

rolandsbruderwk

RE: Rund um die Pfeifen

#13 von PL ( gelöscht ) , 21.05.2010 19:56

Dann ist es wohl zu späääät für mich
Danke für die Auskunft

PL

RE: Rund um die Pfeifen

#14 von PL ( gelöscht ) , 21.05.2010 20:30

Stammtische und Stammtischsymbole

Tabakskollegien gibt es seit etwa dem 17. Jahrhundert; in dieser Zeit war es üblich, dass ein fürstlicher Hof ein solches Kollegium besaß. Die zunehmende Eleganz der Rauchinstrumente machte das Pfeifenrauchen immer mehr zur Lieblingsbeschäftigung der oberen Zehntausend. Wer am Hofe des Preußenkönigs Friedrich I. etwas auf sich hielt, musste zwei Dinge kultivieren: Rauchen und das gute Gespräch im Tabakkollegium, einer Herrenrunde, die sich in den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts einerseits den großen Themen der Zeit, Politik und Ökonomie, Theologie und Moral widmete, sich andererseits aber auch gern damit befasste, durch den Genuss von Wein und Tabak schnell den Zustand erhöhter Lebensfreude zu erreichen. Aber auch heute gibt es in verschiedenen Orten in Deutschland Tabakskollegien.
Allabendlich versammelte man sich damals in Wusterhausen zum Tabakskollegium im Schloss, bei schönem Wetter auch im Freien und diskutierte bei reichlichem Tabak- und Alkoholgenuss bis weit nach Mitternacht über Politik, Moral, Erziehung, Religion. Glutpfannen dienten zum Entzünden der langen holländischen Tonpfeifen, aus Biergläsern wurde Duckstein Bier getrunken. Anders als im väterlichen Tabakskollegium waren weibliche Personen nicht zugelassen, nur die Söhne des Königs durften anwesend sein. Wer nicht rauchen wollte oder konnte, simulierte, so wie es von Fürst Leopold zu Anhalt-Dessau und vom kaiserlichen Gesandten Friedrich Heinrich Reichsgraf von Seckendorff berichtet wird.
Das Hofzeremoniell galt als gänzlich aufgehoben, niemand sollte aufstehen, wenn der König eintrat, jeder sollte sachlich sagen können, was ihn bewegte. Politisches und Privates, Staatsfragen von höchster Brisanz, lockere Unterhaltung und deftige Scherze flossen ineinander.
Im Gegensatz zum Tabakskollegium Friedrich I. traf sich in der Gesprächsrunde Friedrich Wilhelms I. nicht nur der innere höfische Kreis, der sich entspannen und amüsieren wollte. Einflüsse von außen, von bürgerlichen Intellektuellen, Gesandten, Reisenden, gelangten an den Hof des "Soldatenkönigs" und trugen das Gedankengut der Frühaufklärung in diese Runde. Der König wird zweifelsohne die Anregungen, die er im Tabakskollegium erhalten hat, in seine Entscheidungen aufgenommen haben.
Erst der Sohn König Friedrichs I., Friedrich Wilhelm I., machte das Tabakskollegium zum festen Bestandteil des Lebens am preußischen Hof in Berlin. Im Kreis von Vertrauten genoss der „Soldatenkönig“ es, wenn man abends recht zwanglos eine Pfeife rauchte, über das Tagesgeschehen und andere Themen diskutierte oder sich mit Spielen und Späßen amüsierte. Zu dem Kreis gehörten Minister, Offiziere, Wissenschaftler und Adlige wie mein Landsmann Leopold von Dessau (der übrigens immer nur seine Pfeife kalt rauchte)
Die wohl schillerndste Gestalt unter den Teilnehmern des Tabakskollegiums war Jakob Paul von Gundling (1673-1731), Gelehrter und "lustiger Rat", vom König gleichermaßen geachtet und gedemütigt. (den gibt es wohl überall )
Friedrich Wilhelm I., der "Soldatenkönig", übernahm die Institution seines Vaters, allerdings in gänzlich anderer Form. In spartanisch eingerichteten Räumen, vorwiegend im Berliner, Potsdamer und Königs Wusterhausener Schloss, versammelte sich um den König eine reine Männerrunde, bestehend aus Militärs, Gesandten, interessanten Durchreisenden und "lustigen Räten". Letztere waren Gelehrte, die nach der durch den König veranlassten Schließung verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen arbeitslos geworden waren und neue Beschäftigung suchten
Tabakskollegien gehörten zur Ausstattung eines barocken fürstlichen Hofes. Interessant ist die Wandlung, die diese Institution in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. erfuhr. Noch Friedrich Wilhelms Vater, König Friedrich I. in Preussen, veranstaltete Tabakskollegien "In Meinung, dass der Gebrauch des Tabaks gegen alle böse Luft gut sei".

Die Einrichtung, die ihren Ursprung wohl in den Niederlanden hatte, wurde auch in den Berliner und Potsdamer Schlössern gepflegt und sollte der Erheiterung und der Wohltätigkeit dienen. Das Rauchen war Pflicht, ein Dispens musste mit Geld für wohltätige Zwecke erkauft werden. Paul Carl Leygebe (1664-1730) hat um 1720 ein Tabakskollegium Friedrichs I. in der Drap d' Or Kammer des Berliner Schlosses gemalt. Teilnehmer der Versammlung sind außer dem König der Kronprinz und die drei Halbbrüder des Königs, die dritte Gemahlin Friedrichs I., Sophie Luise von Mecklenburg- Schwerin und ranghohe Herren des Gefolges. Auf dem Gemälde reichen Kammertürken und -mohren Getränke, mit Fidibus und Kerzenlicht werden die holländischen Tonpfeifen entzündet. Das Hofzeremoniell scheint teilweise aufgehoben, König und Königin sitzen nicht mehr unmittelbar unter dem Thronbaldachin.



Der Enkel des Großen Kurfürsten, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., war ein sparsamer Zeitgenosse, gönnte sich aber dennoch drei Leidenschaften: die Parforcejagd, das berüchtigte Tabakkollegium sowie seine blauen Kinder, wie er die Langen Kerls, seine 600 Grenadiere, nannte. Friedrich Wilhelm I., König von Preußen, verlieh, durch seine Bierabende im berühmten Tabakkollegium, auch dem Bier einen königlichen Rang. Für Wilhelm I. war das Bier eine unumgängliche Lebensnotwendigkeit. Seine hohe Meinung vom Braugewerbe wird darin deutlich, dass er seinen Sohn, den späteren Friedrich der Große (auch als "Alter Fritz" bekannt), das Brauhandwerk erlernen ließ. So wurde Friedrich der Große zeitlebens ein königlicher Förderer des Brauwesens. Zum Beispiel verbot er in Zeiten, in denen der Kaffeegenus sehr hoch war, die Einfuhr von Kaffeebohnen, um so den Bierkonsum in der Bevölkerung wieder zu erhöhen
Um seine Getränke wurde Niedersachsen von je her beneidet. Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. trank in seinem Tabakkollegium nur Duckstein-Bier aus Königslutter
Stammtische unterschiedlichster Couleur tummeln sich in Kneipen, Salons, Privathäusern, Foren usw. Unzählige Freundeskreise der Biertrinker, Schachspieler,Kaffeekränzchen, Kartenspieler sind landauf/ landab zu finden und ein jeder hat seine Eigenart und seinen kleinen, ganz persönlichen Anspruch.
Nehmen wir z.B den hier schon des öfteren zitierten Gosestammtisch Leipzig, dessen Mitglieder, die Gosebrüder das Ziel haben, dieses einstmals berühmte Bier wieder populär zu machen. Monatliche Zusammenkünfte mit Anspruch auf Kultur in der berühmten Gosekneipe „Ohne Bedenken“, eine eigene Webseite http://www.goseaner.de , usw., usw.
Und nun die ebenfalls in großer Zahl vorhandenen Pfeifenraucherstammtische, die, mal abgesehen von denen der virtuellen Welt, zumeist sehr handfest und archaisch sind. Auch hier, was liegt näher, nehme ich als Beispiel den Hausdorfer Pfeifenstammtisch. Etwa 25 Pfeifenfreunde (das ist in einem vergessenen sächsischen Nest allerhand) treffen sich einmal im Monat (der 2. Freitag) zum gemeinsamen Rauchopfer bei guten Gesprächen und dem natürlich notwendigem Zubehör, so das ist: ein guten Whiskey, Rotwein, Käse und Oliven.
Stets habe ich die seltsame Angewohnheit der Deutschen belächelt und verspottet, dass jeder Verein seine Uniform habe und nur noch als krönendes Sahnehäubchen auf die Kreation eines Schachanzuges gewartet. Und nun ertappe ich mich selbst bei ähnlichem Gebahren!? . Damit komme ich auf das eigentliche heutige Thema, die Stammtischsymbole der Pfeifenkreise.
Zwar sind (noch ) keine Uniformen angesagt, aber weit davon entfernt ist man wohl auch nicht.
Im allgemeinen ziert ein Stammtischdenkmal die Mitte des Tisches. Hier mal in Ermangelung eines geeigneten Bildes als Beispiel das der Gosebrüder. (aus meiner Werkstatt)


Eine Stammtischpfeife ist im allgemeinen üblich, soweit der Kreis der Jünger überschaubar ist .
hier mal unsere: (zu der es später noch viel zu berichten gibt)


Wird er größer wie z.B im virtuellen Stammtisch, ist die Frage der Clubpfeife nahe am Glaubenskrieg angesiedelt und die Fetzen fliegen. Wegen der Unvereinbarkeit der Geschmäcker zerfliegt die Idee dann zumeist in Schall und Rauch. und die Protagonisten sind dann die Bösen
Dann schlürft man bei einem ordertlichen Stammtisch den Whiskey aus solchen Geräten


oder auch, wenn nichts mehr geht daraus


und wenn es sogar feine Leute mit Markenklamotten wie in der SL am Tisch gibt , haben die so was am Schlips.


Na, und wer kein Cap (gibt es einen Smilie für das darüber Lustigmachen?) dabei hat, kann ja auch nicht ernst genommen werden.


Später schleifen sich mit der Zeit auch kleine liebenswerte Stammtischrituale ein, deren plötzliche Veränderung von allen stirnrunzelnd konstatiert wird.
Ist der Stammtisch dann im Morgengrauen in Auflösung begriffen und alle torkeln fröhlich und beschwingt zu ihren Autos, klimpert der eine oder andere dann mit dem Schlüsselanhänger aus Gold



Beliebte Stammtischobjekte sind die schönen, aber leider als Rauchgeräte wegen des Unvermögens der Kondensataufnahme völlig unbrauchbaren Rauchmöbel in Porzellan aus Großvaters Ulanenzeit und die der Zünfte, die ein staubwedelgestresstes Dasein an der Wand frönen - und die Bilder an der Wand mit bärtigen Tirolern, die am Ulmer saugen


Peter

PL

RE: Rund um die Pfeifen

#15 von PL ( gelöscht ) , 22.05.2010 11:22

Die Bakelitpfeife

Nach dem edlen Meerschaum und dem gewöhnlichen Ton der Kaffeehauspfeifen nun ein Material, welches man eher für gewöhnliche Zwecke, aber nicht für den Werkstoff für Tabakpfeifen vermutet:

(nachfolgende Informationen sind neben eigenem Wissen Wikipedia und den Seiten der Bakelitmuseen Deutschlands entnommen)

Das Bakelit

Es brennt nicht. Es schmilzt nicht .

...war am 22. September 1924 auf dem Titelblatt von Time unter dem Konterfei des gebürtigen Belgiers Leo BAEKELAND zu lesen, der bereits am 20. Juni 1907 in sein Tagebuch notiert hatte: "Eine fest gewordene Masse, gelblich und hart...Das sieht vielversprechend aus". Zuvor hatte er Phenol, Formaldehyd und einen chemischen Katalysator in einem verschlossenen Kupferkessel unter Druck erhitzt und damit das erste kommerziell verwertbare wirklich synthetische Plastik erfunden.
Seit 1909 machte "das Material für tausend Zwecke" Furore. Es ließ sich für die verschiedensten Dinge verwenden: Für Flugzeug-Propeller ebenso gut wie für Schmuck, Billardkugeln und Bremsbeläge, aber den größten Erfolg hatte es als elektrischer Isolator.
Stiftedosen und Zettelkästen, Teller und Tassen, Kofferradios und Telefone – kaum ein Gegenstand, den es nicht auch aus Bakelit gibt. Der kostengünstige und leichte Kunststoff revolutionierte ab 1910 die Alltagskultur. Als erster Kunststoff löste der Bakelit eine Revolution in der Produktion von technischen Artikeln aus. Er ersetzte in der Elektroindustrie den teuren Schellack, der aus den Absonderungen einer asiatischen Insektenart hergestellt wird. Auch die empfindlichen Porzellanschalter und Fassungen in der Lampenindustrie waren aus Bakelit nicht nur stabiler, sondern auch wesentlich billiger. Kein Wunder, dass bald auch ganz andere Dinge aus dem vielseitigen Kunststoff hergestellt wurden: Die ersten unzerbrechlichen Picknick-Service waren ebenso aus Bakelit wie der Klassiker unter den Telefonen, das Modell W 48 von Siemens. Im Bakelit-Museum in Kierspe wartet eine vielfältige Sammlung von Gebrauchsgegenständen auf die Besucher.
Aus meiner Kindheit stammt noch die berühmte Goebbelsschnauze, mit der ich spätabends im Bett zwischen quietschenden Rückkopplungen Soldatensender 935 und Freiheitssender 904 mit seiner tollen Musik hörte.


Und auch Pfeifen ließen sich daraus herstellen!
Hier ein Stück meiner Sammlung mit Toneinsatz

PL

RE: Rund um die Pfeifen

#16 von herminator ( gelöscht ) , 26.05.2010 16:03

Zitat von PL
Die Bakelitpfeife



Und nicht zu vergessen:
der Kopf lässt sich aufschrauben und im Inneren verbirgt sich ein Filter aus porösen Ton.
Das Loch im Toneinsatz ist unten in der Mitte, so läßt sie sich bis zum letzten Krümel ausrauchen. Vor einigen Jahren gab es davon einen Restbestand bei Manufactum zu kaufen, da habe ich mein Exemplar und auch eine 3erpackung Ersatzfilter her.

Von Ralf gibt´s da ein nettes Video:

herminator

De Voorde Pfeife

#17 von Arno , 18.06.2010 10:07

Ein Fundstück von Peter Lehmann:

Bitte den Dateianhang öffnen..


Gruss Arno



www.verbilligen.de

Angefügte Bilder:
aaa.jpg   bbb.jpg  
 
Arno
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zuletzt bearbeitet 18.06.2010 | Top

RE: De Voorde Pfeife

#18 von PL ( gelöscht ) , 18.06.2010 10:52

Danke

PL
zuletzt bearbeitet 18.06.2010 12:09 | Top

RE: De Voorde Pfeife

#19 von Arno , 18.06.2010 11:18

So, jetzt müsste es passen.


Gruss Arno



www.verbilligen.de

 
Arno
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RE: Pfeifen aus Ruhla

#20 von PL ( gelöscht ) , 18.06.2010 12:09

In Kürze erscheinen eine Reihe von Beiträgen zu Ruhlaer Pfeifen. Einige Beiträge muß ich überarbeiten, deshalb dieser nachfolgende Beitrag

Pfeifen aus Ruhla
Bernsteinverarbeitung (vorgezogener Teil 2

Pfeifen aus Ruhla - Teil 4

Die Bernsteinverarbeitung:

Neben Ambrolith, Horn, Holz, Knochen, Ebonit etc wurde für die edlen Meerschaumpfeifen naürlich auch Bernstein verwendet.
Etwas zur Herkunft, Entstehung und Förderung des Bernsteins zu sagen, erspare ich Euch und mir, dafür ist

http://de.wikipedia.org/wiki/Bernstein zuständig (wir haben Arbeitsteilung vereinbart )

Besonders das 13. bis 15.Jahrhundert war die Zeit der Bernsteindreher
Seit dem 13.Jahrhundert war die Bernsteinverarbeitung prizipiell bekannt. Besonders die Paternostermacher (Sie wurden auch Bernsteindreher genannt) brauchten Bernstein, denn das meist benutzte Material dieses Kultobjektes war Ostsee- oder Baltischer Bernstein.


Es wurde einn großes Geheimnis um die Bernsteinverarbeitung gemacht, so verbot 1385 die Lübecker Bernsteindreher-Zunft ihren Mitgliedern die ansonsten übliche Wanderschaft, um Produktionsgeheimnisse zu bewahren. Paternostermaker - Bernsteindreher. Bernstein wurde wie oben bereits erwähnt, häufig zu Rosenkränzen (Paternoster) verarbeitet – daher "Paternoster-Maker".
Bernsteindreher-Zünfte bildeten sich in Wismar, Lübeck, Brügge und Venedig.
Antwerpen und Brügge sind jedoch bereits zuvor dem Namen nach bekannt.

Entlang der Ostsee entstanden große Zentren der Bernsteinverarbeitung.
Königsberg war eine Hochburg der Bernsteindreherei
1646 dokumentiert der Elbinger (jetzt in Polen) Stadtschreiber Daniel Barholz, daß der Elbinger Stadtrat Bernsteindreher (Paternostermacher) anstellt

Mit der Pfeifenbau kam auch die Bernsteindrechslerei nach Ruhla.
Mir ist dem Namen nach die Firma Matzke bekannt, die bis 1950 Bernsteinmundstücke in Kleinserien zulieferte


Noch habe ich genügend davon, doch wenn sie verbraucht sind, ist damit endgültig Schluß. Hier die kurzen Stücke der Firma Matzke. (teilweise auch aus Ambrolith)


Wer einmal versucht hat, Bernstein selbst zu verarbeiten, wird allerhand Lehrgeld gezahlt haben. Mittlerweile weiß ich auch vielen Fehlschlägen Einiges dazu, was ich nicht vorenthalten möchte.

-Die Löcher werden gefräst - Bohren zerstört das Material
-DaBernstein kann bei optimalem Einstellwinkel und Drehtzahl geschliffen, gefeilt und gedreht usw werden.--
-Biegen: Fast unmöglich bei Blockbernstein. Es muß kurze Zeit in siedendes Öl getaucht werden und dann sofort verformt werden. Die Ausschussrate war und ist m.W. bei 50%.
-Cultures Amber ist Pressbernstein, d.h. aus Bernsteinresten gepresste Stücke, die sich relativ gut biegen lassen.

Rainer Barby schrieb mir dankenswerterweise ergänzend dazu:

"Es gibt drei Handelsbezeichnungen und Differenzierungen für Bernstein:
Natur- Bernstein , natürliches Vorkommen aus Meer oder Bergbau.

Echt Bernstein , Partikel unter hohem Druck verdichtet, aber ohne jede Beimengung. Verarbeitungskriterien wie bei Natur.

cultered amber oder Kultur Bernstein , Partikel vermengt mit Epoxyden und zur Form gebracht. Dementsprechend auch wie Epoxyde bohr und biegbar.
Ambroid ist ein Bernsteinimitat und wurde für die Mundstücke der Meerschaumpfeifen der Biedermeier- Zeit benutzt. Allerdings wird der Begriff in mancher Litteratur auch für Pressbernstein benutzt.

Halte ich für hochgradig fragwürdig.

Pressbernstein oder auch Echt- Bernstein kann und wird in seiner Verarbeitung der Optik des Naturbernsteins über Erhitzung und differenzierte Drücke ( 3000 bar ) angeglichen und kann sogar luzierend erstellt werden. Er lässt sich bei sachgemäßer Erstellung nicht optisch vom Natur- Bernstein unterscheiden.

Anders Amboid . Während Bernstein unter Einsatz einer glühenden Nadel, die über den Bernstein gezogen wird, beim erkalten mit dem Bernstein verschmiltzt, findet das bei Amboid nicht statt.

Weiterhin haben Amboid Mundstücke einen gelblich weissen Kern mit einer rötlichen bis bernsteingelben 0,5 mm dicken Aussenschichtung. Diese Aussenschichtung wurde über Hocherhitzung und Verschmelzung erzeugt. Schneide mal ein Mundstück oder eine Zigarrenspitze aus dieser Epoche durch.

Ambroid ist basiert auf Baumharzen. Verarbeitung zwischen Epoxyd und Bernstein. Schleifbarkeit mittel. Nicht überhitzen, neigt wie Bernstein zur krakelierung.

Bohren nur unter Kühlung mit scharf geschliffenem Kohlenstoff- Stahl. Am besten eine an der Spitze flach gehämmerte Fahrradspeiche, die dann angeschliffen wird.

Nur schubweise bohren. Wie Bernstein. Nie mit HSS bohren. Die gesamte Reibungshitze ist zu gross.

Andere Möglichkeit: den niedrigen Schmelzpunkt des Bernsteins nutzen. Dann wird nicht gebohrt, sondern mit glühendem und zugeschliffenen Stahl der Kanal durchgestossen. Das ist die langwierigere, aber sicherere Lösung. "


Peter

PL
zuletzt bearbeitet 19.06.2010 10:38 | Top

RE: Pfeifen aus Ruhla

#21 von PL ( gelöscht ) , 19.06.2010 10:37

Pfeifen aus Ruhla, der Stadt im Herzen Deutschlands
1. Teil

Wer sich für Pfeifen interessiert, kommt an Ruhla, der Stadt der Uhren, Waffenschmiede und der Pfeifen nicht vorbei


Der Schmied von Ruhla

Es soll sich Landgraf Ludwig II. von Thüringen, der als schwach und milde gegenüber seinem Landadel bekannt war und nichts davon wusste, wie sehr die Landesfürsten die Bürger und Bauern knechteten, auf einem seiner Jagdritte im Ruhlaer Forst verirrt haben. Als er nach langer Suche endlich des Feuer eines Ruhlaer Waldschmiedes sah, soll er ihn aufgesucht und um Herberge gebeten haben. Als der Schmied ihn fragte wer er sei, leugnete der Fürst seine wahre Identität und gab an ein Jäger des Landgrafen zu sein. Der Schmied, auch verbittert über die verfehlte Milde Ludwigs und der damit verbundenen Knechterei durch die Fürsten, gab darauf seinen Unmut über den Landgrafen preis, gewährte ihm jedoch seine Bitte um Unterkunft. Als Ludwig sich nun, verwundert über die Worte des Mannes, zur Ruhe legte fing der Schmied an die ganze Nacht hindurch zu arbeiten, so dass der Graf kein Auge zu tun konnte. Schlag um Schlag hämmerte der Schmied auf das Eisen und sagte immer und immer wieder: "Landgraf, werde hart! Landgraf, werde hart, so hart wie dieses Eisen!" und "Du böser, unseliger Herr! Siehst du nicht, wie deine Räte das Volk plagen?" Als der Morgen kam und Graf Ludwig ungeschlafen von dannen zog, besann er sich des Schmiedes Worte und regierte fortan mit eiserner Hand. Daher pflegte man auch lange Zeit sprichwörtlich von einem strengen, unbeugsamen Mann zu sagen: "er sei in Ruhla hart geschmiedet worden

Schwerpunkte der Ruhlaer Handwerkertätigkeit bilden das Waffenschmiedehandwerk mit den einzelnen dazugehörigen Handwerkszweigen wie Köhlerei und Zainerhandwerk, das Museum Ruhla zeigt das Messerschmiedehandwerk mit einer komplett eingerichteten Messerschmiede und den dazugehörigen Werkzeugen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Das Abwandern von 80 Familien der Messerschmiedezunft, führten im 19. Jahrhundert zum Niedergang des Ruhlaer Messerhandwerkes. Schon während der Blüte des Messerschmiedehandwerks entwickelte sich jedoch mit der Pfeifenbeschlagfertigung ein neuer Erwerbszweig und nur kurze Zeit später wurden in Ruhla komplette Tabakspfeifen hergestellt. 1750 wurde schließlich in Ruhla der "unechte" Meerschaum erfunden. In dieser Zeit wurde Ruhla auch als "Mekka der Pfeifenraucher der Welt" weltbekannt. Weiter kann man im Museum die Werkstatt eines Porzellanmalers sowie bemaltes Zier-und Gebrauchsporzellan bewundern. Besonders interessant ist das Tabakpfeifengewerbe, welches für Ruhla eine besondere Bedeutung hat.
Ruhla war für zwei Jahrhunderte das Mekka der Pfeifenraucher. Pfeifen aus Ruhla wurden in Grönland und dem Kaukasus ebenso geschmaucht wie in Afrika, Asien und Amerika.
Das Ruhlaer Heimatmuseum beherbergt eine mehrere hundert Stück zählende Pfeifensammlung aus Holz,-Ton,-Porzellan und Meerschaum.
Es informiert auch über die einzelnen Arbeitsschritte, wie aus einem leicht zu schneidenden Mineral Meerschaum , aus Birken,-Eben-oder Rosenholzklötzchen funktionstüchtige Pfeifen werden.

Zu den wertvollsten Exponaten gehören geschnitzte Meerschaumpfeifen wie das "Cocilium auf dem Olymp" von 1720 sowie wundervoll bemalte Porzellanpfeifen.
Alles begann 1739, als Pfeifenschnitzer aus der Rhön ihre einfachen Holzpfeifen zum Deckel beschlagen nach Ruhla brachten. Mehr als 100 Jahre später gaben 115 Fabriken, Geschäfte und Werkstätten vielen Menschen Arbeit und Brot.
Der Siegeszug der Zigarette bedeutete 1940 das Ende der fabrikmäßigen Produktion.

Der letzte Ruhlaer Meerschaumkopfschneider Franz Thiel verstarb 1981. Mit ihm starb das Tabakpfeifengewerbe in Ruhla aus.

Besonders die bastumflochtenen Pfeifen sind etwas ganz Besonderes und ab und zu noch bei Ebay zu erwerben. Auch das Museum verkauft noch welche in klassischen Formen aus alten Beständen zu (meines Erachtens) Spottpreisen.
Die schönsten Pfeifen dieser Art sind wohl die Gesteckpfeifen.
Das Gesteck welches aus Hornteilen und einen beweglichen Pfeifenschlauch besteht .läßt sich zerlegen
Hersteller dieser Köpfe war die Firma Donat Thiel in Ruhla/Thür.
Meerschaumköpfe mit feinen Bast zu umflechten erfordete Fachkenntnisse und wurde von gelernten Korbmachern aus der dortigen Umgebung (Kleinschmalkalden )) übernommen
erstmalig wurden diese Köpfe um 1910 erwähnt ,wobei die Produktion in den Kriegsjahren des 2. WK eingestellt wurde
umfangreiche Literatur zu diesem Thema : das Buch Meerschaumpfeifen " Eine Ruhlaer Legende " von Anton Manger. Das Buch ist Im Handel erhältlich

Die Pfeifenmacherfirma "Gebr. Ziegler" in Ruhla war eine der bedeutendsten der europäischen Pfeifen-Manufaktoren

Den sehr interessanten begleitenden Text dazu lies bitte aus http://www.schmidtfamilie.de/schmidt.htm :


Pfeifenmuseum Ruhla




die Bilder über das Museum sind mir freundlicher Genehmigung hier eingestellt

Ruhla war e.E eine Pfeifenstadt der vielseitigten Werkstätten mit einer Vielfalt an Produkten

In später folgenden Teilen (auch im vorangegangenem Bernsteinbericht )stelle ich die einzelnen Gewerke vor, die ihr Brot beim Pfeifenbau verdienten.


Quellen: zum Teil auch wörtliche Passagen übernommen aus:
1. Müller, Karsten: Die Tradition der Pfeifenherstellung in Ruhla. Rudolstadt: Hain Verlag 1996.
2. Pollner, Otto: Die Pfeifenmacher zwischen Rennsteig und Rhön. Geschichte und Arbeitsweise in drei Jahrhunderten. Leopoldshöhe: heka-Verlag 1997.
Aus Ahnenforschung http://www.schmidtfamilie.de

Bilder áus der Webseite des Museums Ruhla

war das zuviel auf einmal ?
ich bin nun mal mit dem Lesen von Büchern und nicht mit dem Fernseher großgeworden da kann ich keine Rücksicht auf Euch nehmen

P. Lehmann

PL
zuletzt bearbeitet 19.06.2010 10:42 | Top

RE: Rund um die Pfeifen

#22 von PL ( gelöscht ) , 22.06.2010 21:18

Ehe ich nun weiter oberlehrerhaft über Ruhla, Meerschaumprodukte und ihre tangierenden Zulieferungen mit erhobenem Zeigefinger weiterdoziere - etwas leichtere Kost

Die Imkerpfeife

(Quelle: meine paar Zierwindungen im Brägen, was Angelesenes, ein freigegebenes Bild von Wikipedia, da diese Pfeife schöner ist als meine aus der Sammlung und Ekkehards Bienenweisheit)




Es ist ein heißer Juninachmuíttag kurz vor Johanni (Sommersonnenwende. Die Kirschen werden gerade reif und die Vögel noch im Brutgeschäft. Es ist still…………………
Ich döse in der Hängematte zwischen Kirschbaum - und Klaps Liebling. Das Buch ist den Händen entglitten. Da hebt ein leichtes dumpfes Summen an, wird stärker und stärker - kommt auf mich zu. Mit einem Satz (so es die Jahre zulassen) bin ich aus der Matte und flach auf dem Boden. Ekkehards Bienen schwärmen aus. Eine dunkle tropfenförmige Wolke schiebt sich wenig über der Erde auf mich zu und sucht in der Hähe des Stocks eine vorläufige Bleibe. Die Königin hat zum Aufbruch geblasen- es ist Zeit, sich zu teilen. Der Rest des Volks hat sich ein neue Königin gezogen, bleibt in der Beute und vermehrt sich.
Bloß nicht, dass die nun von meinem Wohlgeruch und dem Rauschebart angelockt werden und mich zur Sammeltraube werden lassen. Aber sie drehen ab in Richtung Mirabelle und lassen sich dort nieder. Dort bleiben sie dann im allgemeinen eine Weile, bis die Spurbienen ein neue Dauerbleibe für den Schwarm entdeckt haben. Diese kurze Zeit muß der Imker zum Einfangen des Schwarms nutzen, sonst ist er verloren.
Wo ist Ekkehard? ich finde ihn im Erdbeerbeet. Kurze Verständigung und nach wenigen Minuten kommt er - nein er erscheint - wie Suleika mit riesiger Dohle und Schleier auf dem Kopf, dazu ganz in weiß wie eine Braut und beleitert wie der Schornsteinfeger. Heidi, seine Frau tut es ihn nach.
Und nun zum Thema (ehe die ungeneigten Leser die Augen verdrehen) - unentbehrliches Utensil ist die Dathepfeife. (Imkerpfeife nach dem Erfinder Dathe). Gestopft mit allerlei Rauch erzeugenden Dingen wie Heu, morsches Holz oder Laub bläst nun Ekkehards Pipe munter vor sich hin. Sie, die Bienen, füllen bei Rauch (Waldbrand! ) im allgemeinen ihre Vorratskammer, die Honigblase - satte Bienen sind die Sanftheit in Person.



Die Imkerpfeife

wird geblasen. Ist also keine Pfeife im üblichen Sinne. Durch ein Einwegklappe wird das Ansaugen verhindert und nur das Blasen zugelassen.
Ab und zu stößt nun Ekkehard ins Pfeifchen und erklimmt die Mirabelle. Unten hält Heidi den Korb auf. Ein kurzer Schlag auf den Ast und die Traube fällt in den Korb. Schnell zu das Ding, die restlichen Bienen zieht es durch ein kleines Loch im Korb zur Königin und Ekkehard hat ein neues Volk.

Und nun ist Zeit für einen Plausch mit einem richtigen Pfeifchen und gutem Knaster. Ekkehard erzählt von seinen Bienen und es ist wunderbar, ihm zuzuhören

das schrieb ich vor zwei Jahren - Vor einem Jahr hat der Krebs Ekkehard besiegt - ihm (dem Ekkehard) widme ich ich diesen Beitrag. Nun da auch die Bienenstöcke verschwunden sind, ist es recht still in den blühenden Bäumen und auf der Wiese geworden

PL
zuletzt bearbeitet 14.07.2010 19:03 | Top

RE: Rund um die Pfeifen

#23 von PL ( gelöscht ) , 24.06.2010 23:20

Pfeifen aus Ruhla Teil 3


Mundstücke aus Horn

Obwohl diese Art der Mundstücke überall hergestellt und verarbeitet wurden, wo sich Pfeifenmacher ansiedelten, habe ich diesen Beitrag unter Ruhla eingeordnet, um eine Vollständigkeit zu wahren

Im Handbuch für Kammmacher, Horn= und Beinarbeiter Weimar, 1841
findet man zu Horn:

"Das Horn muß ein glattes und reines Aeußere haben, nicht verlegen und ohne Moder seyn. Auch muß man bei´m Kaufe das Geradeseyn der Hörner berücksichtigen. Gedrehtes, auswüchsiges Horn ist nicht gut zu verarbeiten, und jedesmal hat der Kammmacher Einbuße babei, indem die Unebenheiten doch weggehauen werden müssen."

Den Hornzapfen ("Schlauch") bringt man so heraus:

"In früherer Zeit wurden die Schläuche, als zu garnichts brauchbar, weggeworfen oder dem Dünger beigemischt; seitdem aber in Deutschland die Knochenbrennereien oder Beinschwarzfabriken eingerichtet worden sind, kann man aus einem Centner solcher Schläuche noch 14-18 Sgr. [wohl Silbergroschen] erhalten. Wenn das Horn noch frisch (...) ist, so läßt sich der Schlauch am mühsamsten herausbringen. -Gewöhnlich sind sie am untern Rande des Horns in der innern Fläche mit einer Haut befestiget, wo alsdann der Schlauch durch das Beil herausgeschlagen werden muß. Bei altem Horne trifft es sich nicht so oft, daß der Schlauch festsitzt; denn sie sind oft so locker in dem Horne, daß man sie mit der Hand herausziehen kann. Die Verbindung ist meistentheils nur am unteren Theile des Horns, und der obere Theil des Schlauchs ist eingetrocknet. In diesem Fall ist es räthlich, ein Weniges vom untern Theile des Horns abzuschneiden, wodurch nicht allein die untere Kante egalisirt, sondern auch die Verbindung mit dem Schlauche getrennt wird.

(...)

Die Spitzen des Horns werden bis zur Oeffnung, so weit der Schlauch gegangen ist, mit der Schrotsäge abgeschnitten (...) Denn der Kammmacher kann die massiven Hornspitzen nicht verarbeiten, sondern verkauft solche dem Horndrechsler ebenfalls hundertweise."

Das Wort Horndrechsler ist für den Pfeifenbau das Stichwort

Im Die Welt der Pfeife kommt noch ein sehr interessanter Aspekt für das Verformen dazu. Allgemein bekannt ist, dass Horn durch Kochen weich gemacht und dann verformt werden kann. Das Wichtige aber ist dabei, vorher den Hauptnerv durch Brennen zu töten, da das Horn sonst immer wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehren würde. Das Horn ist nach dem Verformen ca. 10 Trocknungstage zwanfhaft in der gestreckten Form zu halten und kann danach bearbeitet werden. Vor allem in früherer Zeit wurden Mundstücke gefertigt. Nach dem Drechseln und dem Fertigen des Bisses werden die Stücke für gekrümmte Mundstücke dann wieder gebogen. Meines Wissen kann das auch in heißem Öl erfolgen. Ich selbst verarbeite noch viele Hornmundstücke aus alten Beständen.
Hier ein solches Mundstück mit Lippenbiß an unserer Stammtischpfeife



wie ich es durch einen Altmeister der Pfeifenkunst, Herrn Kallenberg, erhalten habe und das nach meiner Auffassung sehr angenehm im Biß ist und vor allem alten Pfeifenformen einem unverwechselbaren Charme gibt.

PL
zuletzt bearbeitet 14.07.2010 19:04 | Top

RE: Pfeifen aus Ruhla

#24 von PL ( gelöscht ) , 30.06.2010 09:54

Pfeifen aus Ruhla (Teil 4)
(und andere Firmen)

Umhüllte Pfeifenköpfe

So wie es bei den Ruhlaer Pfeifenköpfen aus Meerschaum oder Pressmeerschaum zwischen 1900 und 1945 Gang und Gäbe war, die Pfeifenköpfe (meist die aus dem minderwertigen Pressmeerschaum) durch Korbmacher in Heimarbeit mit einem Geflecht überziehen zu lassen,

Damit wäre dann das Thema des Zuleiferhandwerks Korbflechterei für den Ruhlaer Meerschaumpfeifenbau abgehandelt

so war es auch bei den Bruyereköpfen in machen Firmen eine Zeitlang Mode, die Köpfe mit Leder zu beziehen. Zum Beispiel praktizierte dies Heibe. Die Pfeifen in meiner Sammlung sind in der Form klassische Billard mit grünem und blauem Leder (Hammerschlageffekt) bezogen. Es ist wohl davon auszugehen, daß zumeist Pfeifenköpfe dazu genommen wurden, deren Kittstellen auffällig oder die in der Maserung nicht besonders spektakulär waren


Auch heutzutage werden Pfeifenköpfe "verpackt". Bekannt sind die mit Korkeichenborke umhüllten Pfeifen des sardischen Pfeifenbauers Tom Spanu

Auf den Webseiten der Pfeifenhändler sind diese Pfeifen zu sehen

Vielleicht wäre noch hinzuzufügen, daß hier im Gegensatz zu den Pfeifen mit einem Einsatz aus anderem Material (Meerschaumeinsätze, Toneinsätze, Bruyereeinsätze) nicht die Funktion des Schutzes der entsprechenden Hülle (Bruyere, Hartholz, Plaste, Metall usw) zu erfüllen ist

Aus meinem Fundus

Angefügte Bilder:
0c_1_Größenveränderung.jpg   5f_1_b_Größenveränderung.jpg   ee60_0_Größenveränderung.jpg   f391_1_Größenveränderung.jpg   Kopie von P1010013_Größenveränderung.jpg   P1010026_Größenveränderung.jpg  
PL

RE: Rund um die Pfeifen

#25 von PL ( gelöscht ) , 14.07.2010 19:02

Eeh, dieser alter Saftsack / dieser Pfeifenwichs

hört man ab und zu auf Schulhöfen oder hinter vorgahaltener Hand in Richtung Chef
die kürzliche Kunst & Krempel Sendung im BR brachte mich auf die Idee, daß ja hier noch nichts dazu geschrieben wurde, obwohl diese Gegenstände oftmals erwähnt sind.
Ja, so hat sich dieser Begriff aus der Zeit der Gesteckpfeifen in die heutige Zeit hinübergerettet. Bezeichnet er jetzt auch nur einen etwas unangenehmen Zeitgenossen, so war es anno dunnemals das Mittelstück der Gesteckpfeifen aus Porzellan, in die das Kondensat abfloß.

Aber auch die hölzernen Gesteckpfeifen hatten oft eine entsprechende Vorrichtung zur Abscheidung des Kondensats
und mit etwas gutem Willen könnte man auch das Mittelteil dieser Ruhlaer Pfeifen als Saftsack bezeichnen

Was ist mit meinen Favoriten, den Cavalierspfeifen ?
Natürlich, auch die sammeln das Kondensat außerhalb des Rauchweges
Wenn diese Teile allerdings nicht peinlichst saubergehalten werden, dann sind es wirklich im weitesten Sinne Olle Saftsäcke

Mein Großvater war es, der mich gutmütig zu sich rief: Hier Du Pfeifenwichs, haste ne Mark für den Rummel
Was ist nun der Pfeifenwichs?
Es ist der gebrauchte Pfeifenreiniger - nur ist der eigentliche Sinn des Begriffs aus dem kollektiven Gedächtnis fast entschwunden und er wird als eher gutmütiges Schimpfwort gebraucht.

"Du Pfeife " - das ist schon etwas bedenklich, den hier wird jemand herabgewürdigt (Berliner Lexikon: - Pfeife - Idiot. »Wem die Pfeife ausjejang’n is«, der hat kein Geld oder keine Kraft mehr

Na und für "Pfeifenkopp" oder "Pfeifenheini" (das eher aus dem Fußballbereich) mag sich jeder selbst einen Reim machen.

PL
zuletzt bearbeitet 14.07.2010 19:05 | Top

   

Frage wegen Birnenholz
ich habe mal eine Frage?

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